Prof. Dr. theol. Uta Ranke-Heinemann


Warum Vatikan und nicht Muttikan?

Vortrag im Frauenmuseum
Bonn
11. August 2013



Ich habe mich immer gewundert, warum es im Lateinischen ein einziges Wort für zwei ganz verschiedene Sachen gibt, die gar nichts miteinander zu tun haben: Virtus vom Lateinischen vir - der Mann - heißt sowohl Muskelkraft, militärische Kraft als auch Tugend. Da habe ich immer gedacht, was ist das denn? Bis ich darauf kam, daß außer dem Geld und dem Öl das erste, was die Starken den Schwachen absprechen und sich selbst zuschreiben, die Tugend ist. "Die amerikanischen Soldaten in Vietnam sind Soldaten Christi", hörte ich von Militärbischof Kardinal Spellman. Der erste Adel unter den Menschen war ein Adel, der auf Körperkraft beruhte. "Wer Kraft hat, braucht keinen Verstand", sagte Gorbatschow.

Auch wenn mit Papst Franziskus I. nun ein Papst gewählt wurde, der in seiner Schlichtheit und Sorge für die Armen vorbildlich ist, wird sich bezüglich Frauen- und Sexualfeindlichkeit NICHTS ändern. Und zwar garnichts. Und in der Tat: als allererstes dankte er seinem Vorgänger, Papst Benedikt XVI., und machte damit seine Linientreue deutlich. Anschließend flüchtete er in die Obhut der Jungfrau Maria.

Die katholische Kirche hat seit fast 2000 Jahren die Frauen zu Zuchtstuten degradiert. Hier ihr Hauptlehrer Augustinus (+ 430), von dem noch die Rede sein wird, sagt: "Wenn die Frau nicht zur Hilfe des Kindergebärens dem Mann gegeben ist, zu welcher Hilfe dann? Zu allem (!) anderen ist doch der Mann dem Mann eine bessere Hilfe. Wieviel angenehmer ist es, wenn zwei Freunde zusammen wohnen, als wenn Mann und Frau beeinander wohnen." Papst und Bischöfe haben sich derartig an die Vertreibung und Unterdrückung der Frauen gewöhnt, daß sie in ihrer Unbildung was die Kulturgeschichte anbelangt, sogar der Meinung sind, das Christentum sei eine Befreiung der Frau gewesen. Aber, wenn immer eine Befreiung der Frau geschah, dann bestimmt nicht dank der Kirche, sondern trotz der Kirche und schon gar nicht in der Kirche.

Schuld an der totalen Verdrängung der Frauen in der Kirche ist das Phantombild der "Jungfrau UND Mutter Maria", das die maßgeblichen Theologen der frühen Kirche, die "Kirchenväter", geschaffen haben. Weil diese Theologen, vor allem Augustinus, Hieronymus, Ambrosius, den Zölibat (auch "Jungfräulichkeit" genannt), so schätzten und Abscheu vor Sexualität hatten, machten sie Maria zur Jungfrau, obwohl Maria außer ihrem Sohn Jesus vier namentlich genannte Söhne und mehrere nicht namentlich genannte Töchter hatte. Die "Jungfrau Maria" wurde zum Vorbild aller Frauen gemacht.

Die totale Marianisierung des Christentums erfolgte dann in zwei Stufen. Um mit der 2. Stufe anzufangen: sie erfolgte unter den Päpsten Johannes Paul II. und Benedikt XVI.. Die 1. Stufe der Total-Marianisierung erfolgte im 19. Jahrhundert: 1854 wurde nämlich das Dogma der "Unbefleckten Empfängnis Mariens" verkündet. Dieses Dogma ist dem modernen Menschen hauptsächlich deswegen bekannt, weil er es ständig mit der Jungfrauengeburt verwechselt. 99,9 Prozent der Katholiken glauben, das Dogma beziehe sich auf den Augenblick, an dem Maria ihren Sohn Jesus empfangen hat. Es bezieht sich aber auf den Augenblick, an dem Maria empfangen wurde, und zwar einmaliger Weise ohne daß dabei die befleckende, beschmutzende Erbsünde auf Maria übertragen wurde. Einzig und allein sie im Unterschied zu allen anderen Menschen, die durch den Geschlechtsakt der Eltern befleckt, beschmutzt empfangen und geboren werden: wurde Maria unbefleckt empfangen und geboren, d.h. ohne Erbsünde. Was diese Erbsünde, die durch die Lust des Geschlechtsakts der Eltern übertragen wird (außer bei Marias Eltern Joachim und Anna) bedeutet, beschreibt der Neue Weltkatechismus, 1992, Nr. 1237 und Nr. 1243: Alle Kinder (außer Maria) sind im Mutterleib vom Teufel besessen und werden erst durch die Exorzismen der Taufe vom Teufelskind zum Gotteskind. Papst Benedikt XVI. setzte wieder weltweit Exorzisten ein, um den Teufelsaberglauben zu stärken, nachdem er gerade im Schwinden begriffen war.

Jesus aber war - um das hier kurz einzufügen - ein Antihöllenprediger. Ihm wurden, wie vor allem Rudolf Bultmann (+ 1976) gezeigt hat, die Höllenworte in den Mund geschoben. Das Christentum wurde die einzige Weltreligion, wo die Hölle sogar ewig dauert, bei den Moslems z.B. dauert sie nur "solange Allah, der Allerbarmer, es will" (Sure 6, 128 und Sure 11, 107). Und jede einzelne Sure des Korans beginnt mit den Worten: "Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen." Das Christentum hingegen ist eine Drohbotschaft und keine Frohbotschaft.

1870 wurde dann auch noch das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Nichts fördert die Infantilisierung und Kritiklosigkeit der Massen so sehr wie ein unfehlbarer Papst und dieser seit dem 19. Jahrhundert ständig vermehrte Marianismus.

Jesus war in der katholischen Kirche der letzte Freund der Frauen. Als Ende des 2. Jahrtausends das katholische Christentum in seinem Kern nur noch aus einem einzigen Geschlecht bestand, hat Papst Johannes Paul II., bzw. Kardinal Ratzinger, nun auch die Homosexuellen entsexualisiert: Siehe dazu im Neuen Weltkatechismus von 1992 Nr. 2357-9 die 3-strophige Hymne auf den "Keuschen Homosexuellen". Der Vatikan ist jetzt ein frauenloses Terrarium, ein Junggesellenreservat, in das nur die Jungfrau Maria noch Zutritt hat. Alle anderen Frauen kommen dort nur mit dem Staubsauger nach oben. Damit ist ein uralter religiöser Menschheitsirrtum zu seinem krönenden Abschluß gelangt. Denn seit Heidengedenken sind Menschenopfer (im Christentum Kreuzesopfer) und Sexualopfer (im Christentum nicht mehr Kastration, wie bei den heidnischen Priestern, sondern Zölibat), die beiden bevorzugten Weisen gewesen, die Gottheit gnädig zu stimmen.

Übrigens, in der erwähnten 3-strophigen Hymne auf den "Keuschen Homosexuellen" steht, daß es besser ist, die eigenen Töchter zur Vergewaltigung preiszugeben als homosexuelle Akte zuzulassen. Der Verfasser der Hymne (wahrscheinlich Kardinal Ratzinger) "stützt" sich, in seinen eigenen Worten "stützt" sich dabei auf die Geschichte 1. Mose 19, 1-29, wo Lot, der Neffe Abrahams, zu den Homosexuellen, die sein Haus in Sodom belagern, sagt (das ist die Geschichte vom Untergang von Sodom und Gomorrha), Lot also sagt: "Seht ich habe zwei Töchter, die noch nichts vom Manne wissen, die will ich euch herausgeben, macht mit ihnen, was euch gefällt, nur diesen Männern (Lots männlichen Gästen) tut nichts." Die beiden Mädchen waren 11-12 Jahre alt.

Zum Glück waren meine geliebten Eltern evangelisch, d.h. ohne Frauen und Mädchen - Geringschätzung. Aber auch bei den Evangelischen bekam ich einen Schrecken: Mit meinen geliebten evangelischen Eltern haben wir Kinder vor dem Einschlafen immer gesungen:

Müde bin ich, geh zur Ruh...
Hab ich Unrecht heut getan,
sieh' es lieber Gott nicht an,
deine Gnad' und Jesu Blut
macht ja allen Schaden gut.

Als ich 4 Jahre alt war, habe ich geweint und gefragt: "Warum Blut?" Später habe ich festgestellt, daß die Menschen Gott nach ihrem eigenen Bild geformt haben: neidisch und mißgünstig wie sie selbst. Der neidischen, mißgünstigen Gottheit meinten sie das Liebste opfern zu müssen. Was ist das Liebste? Das, was man am liebsten hat: die eigenen Kinder und das, was man am liebsten tut: alles, was mit Sexualität und Liebe zusammenhängt.

Also opferte man 1. ein Kind.

Besser einen Sohn als eine Tochter, besser den ältesten Sohn als irgendeinen Sohn, noch besser den einzigen Sohn, am allerbesten den ersten und einzigen Sohn. Und diesen makabren Gedanken dichten die Christen Gott an: Gott opfert blutig seinen einzigen, erstgeborenen Sohn, und zwar für uns. Was für ein Horror-Vater, dem mehr zu fehlen scheint als uns und der Erlösung nötiger braucht als wir. Blut klebt jetzt an seiner Eintrittskarte in den Himmel. Ich möchte so nicht erlöst werden, ich bin Gegnerin der Todesstrafe. Ich könnte, wenn Jesus später gekommen wäre, heute in Deutschland sowieso nicht mehr erlöst werden, nur noch in einigen barbarischen Ländern, die an der Todesstrafe festhalten, obwohl dann bei der Giftspritze den Priestern das Blut zum Abendmahl und zur Messe fehlen würde und wegen der Vergiftung nicht brauchbar wäre.

Als neulich in Island der Vulkan ausbrach, mußte ich nachts, weil kein Flugzeug mehr flog, mit dem Taxi von Hamburg nach Essen fahren und hörte Radio. Ein Isländer sagte: "Früher, in grauer Vorzeit, bei großer Gefahr haben die Isländer ihre eigenen Kinder in den Krater geworfen."

2. opferte man das, was man am liebsten tut, also das, was mit Liebe und Sexualität zusammenhängt. Darum erfolgte bei den heidnischen Priestern Kastration, bei den Christen Zölibat.

"Maria ist", wie Kardinal Tarcisio Bertone, der Staatssekretär von Papst Benedikt XVI. am 13. 9. 2006 im Telepace Fernsehn sagte: "fruchtbar und DOCH rein". Und alle katholischen Frauen singen Weihnachten in dem Jahrhunderte alten Lied: "Es ist ein Ros entsprungen": "Hat sie ein Kind geboren, und blieb DOCH reine Magd." 2000 Jahre Frauengeringschätzung haben nämlich in den Gehirnen vieler katholischer Frauen derartige Schäden hinterlassen, daß sie jede Weihnacht ihre eigene Beschmutzung und Minderwertigkeit besingen.

Und so erlebte ich zwei Monate nachdem ich auf der Suche nach der großen Toleranz am 25. Oktober 1953 katholisch geworden war und, wie die Engländer sagen, von der Bratpfanne ins Feuer fiel, in München meinen ersten katholischen Schock. Denn das Lied "Es ist ein Ros entsprungen", das wir vier Kinder meiner geliebten evangelischen Eltern jede Weihnacht so fröhlich gesungen hatten, nämlich so: "Hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht", lautete bei den Katholiken total anders: "Hat sie ein Kind geboren und blieb DOCH reine Magd." Seit der Reformation, seit der Priester und Mönch Luther eine Nonne geheiratet hatte, wurde nämlich das Lied bei den evangelischen Christen geändert in: "Hat sie ein Kind geboren wohl zu der halben Nacht". Die Sexual-und Frauenfeindlichkeit wurde bei den Protestanten dank der Hochzeit des Mönches Luther mit der Nonne Katharina von Bora beendet.

Der katholische Glaubensvollzug der Frauen, da ihnen die Jungfrau Maria Vorbild sein soll, wird bei den Katholiken den Frauen unmöglich gemacht. Denn wie bitte soll eine Frau sich in Maria wiedererkennen, wenn in der Lauretanischen Litanei Maria als die mater inviolata, auf deutsch: o unversehrte Mutter besungen wird? Dabei ist unversehrt eine zu harmlose Übersetzung des Wortes inviolata. Ich schaute im lateinischen Lexikon nach: Laut lateinischem Lexikon sind alle anderen Mütter außer Maria als matres violatae das, was das Wort violatae bedeutet, das heißt, sie sind solche, denen Gewalt angetan wurde, die mißhandelt, besudelt, befleckt, verletzt, geschändet und entweiht wurden. Violatae kommt nämlich nicht von viola = Veilchen, sondern von vis = Gewalt, also allenfalls von Veilchenauge. Gemäß Lauretanischer Mütterbeschädigungs-Litanei wurde also allen anderen Müttern Gewalt angetan, und alle Väter sind bei frommem Licht besehen Vergewaltiger.

Derjenige, der Liebe und Sexualität total auseinanderriß, war der größte der Kirchenväter, der heilige Augustinus. Er bringt nämlich die Übertragung der Erbsünde, die im Christentum eine so große Rolle spielt, in Zusammenhang mit der LUST des Geschlechtsakts. Erbsünde, das bedeutet Verdammnis für alle, die nicht "erlöst" werden. Erbsünde, das bedeutet Verdammnis z.B. der ungetauften Kinder. Auf die Verdammnis der ungetauften Kinder fixiert sich Augustinus in einem Maße, daß ihn sein Gegner, Bischof Julian von Eclanum, ein Pelagianer (Pelagius war der größte Gegner des Augustinus) scharf angreift mit den Worten: "Du, Augustinus, bist weit entfernt von religiösen Gefühlen, von zivilisiertem Denken, weit sogar von gesundem Menschenverstand, wenn Du denkst, daß Dein Gott fähig ist, Verbrechen gegen die Gerechtigkeit zu begehen, die sogar für Barbaren schwer vorstellbar sind." Er nennt den Gott des Augustinus "einen Verfolger der Neugeborenen, der winzige Säuglinge in das ewige Feuer wirft."

Augustinus findet Vielweiberei besser, als eine einzige Frau um ihrer selbst willen zu lieben: "Ich billige es mehr, die Fruchtbarkeit vieler Frauen zu einem nicht selbstsüchtigen Zweck zu gebrauchen als das Fleisch einer einzigen um ihrer selbst willen".

Am 25. März 2010, dem 25. Jubiläum des Weltjugendtages, als 70.000 Jugendliche auf dem Petersplatz in Rom sich versammelt hatten, warnte Papst Benedikt die Jugend "vor drei Dingen: Sex, Drogen und Alkohol". Junge Pärchen guckten plötzlich ganz erschrocken, weil der Papst Sexualität mit Drogen und Alkohol verbunden hatte und die Ehe nicht einmal erwähnte. Die Weltjugendtage sind aber dazu da, unter den Jugendlichen für den aussterbenden Priesterberuf zu werben und die leeren Klöster wieder mit Mönchen und Nonnen zu füllen.

Die Bekehrung des Augustinus zum Christentum war das Unglück der Frauen und der Eheleute. Sie begann damit, daß er mit 29 Jahren seine Geliebte wegschickte, mit der er seit seinem 16. Lebensjahr zusammenlebte und schon als 17-jähriger (durch falsche Berechnung der unfruchtbaren Zeiten) seinen Sohn Adeodatus bekommen hatte. Den 12-jährigen Sohn behielt er. Seine Geliebte, deren Namen er nie nennt, gelobte ihm ewige Treue, als er sie aus Rom nach Afrika zurückschickte. Sein schlechtes Gewissen über seine Treulosigkeit gegen die verlassene Geliebte wandelt sich immer mehr in eine Verachtung der sexuellen Liebe überhaupt. Nicht so sehr er ist schuld, so schuldig er sich auch empfindet, sondern die böse Lust des Sexualaktes. Des Augustinus pessimistische Sexualmoral ist eine einzige Verdrängung seines schlechten Gewissens, seine Frauenphobie ein ständiges Ausfindigmachen der schuldigen Ursache seines Versagens. Das Feindbild wird ihm klar: die Wollust, die böse Lust, das sexuelle Begehren. Die Bekehrung des Augustinus zum Christentum, von der Lust zur Lustfeindlichkeit und Ignorierung der Frau als Partnerin erfolgte am Karsamstag 387, als er sich von Ambrosius, dem Lobredner der Jungfräulichkeit, zusammen mit Adeodatus taufen ließ. Mit 18 Jahren starb der mutterlose, von Augustinus sehr geliebte Adeodatus, "den ich in der Sünde gezeugt hatte". Bischof Possidius von Calama, ein Schüler und enger Freund des Augustinus, schreibt nach dessen Tod in einer Vita über Augustinus: "Keine Frau setzte je einen Fuß in das Innere seines Hauses, niemals sprach er mit einer Frau ohne Beisein eines Dritten. Sogar für seine eigene ältere Schwester und seine drei Nichten, alle drei Nonnen, machte er keine Ausnahme."

Für den Kirchenvater Ambrosius, Bischof von Mailand (+ 397), ist die Jungfräulichkeit die christliche Tugend schlechthin. Sie ist für Ambrosius das eigentlich Neue, das das Christentum gebracht hat. Eine Auffassung, die von Johannes Paul II. 1988 wiederholt wird in seinem Apostolischen Schreiben "Die Würde der Frau" Nr. 20 und ferner im Weltkatechismus 1992 Nr. 915: die Ehe sei zwar ein Sakrament, bei dem aber die Kirche jedem den Rat gebe, darauf zu verzichten, da "die Ehelosigkeit JEDEM (!) Jünger Christi empfohlen wird".

Kein Kirchenvater hat verletzender über die Ehe gesprochen als Hieronymus (+ 419/420). Das einzig Gute, das er der Ehe abgewinnen kann, ist, daß "sie Jungfrauen hervorbringt". "Ich sammle von den Dornen die Rose, aus der Erde das Gold, von der Muschel die Perle. Kindererzeugung ist in der Ehe erlaubt, sinnliche Lustgefühle aber, wie sie bei der Dirne empfunden werden, sind bei der Gattin verdammenswert." (Deswegen gestattete Papst Benedikt "Kondome nur für männliche Prostituierte").

(Hier schiebe ich mal einige Sätze über die Lust, über den Orgasmus, ein: Papst Gregor Gr. (+ 604) schreibt: "Die Lust kann niemals ohne Sünde sein." Und Papst Innozenz III. (+ 1216), der bedeutendste Papst des Mittelalters, schreibt: "Wer wüßte nicht, daß das eheliche Beilager niemals ohne die Glut der Unzucht, ohne Schmutz der Lust stattfindet, wodurch der empfangene Same beschmutzt und verderbt wird?" Und die hl. Birgitta von Schweden (+ 1373) spricht später in ihren "Visionen" von einem Mann, der verdammt worden sei, weil er seine Frau zu sinnlich geliebt habe. (Übrigens, die Visionen der hl. Birgitta und der Hexenhammer, von dem gleich die Rede sein wird, sind das Erschreckendste, das ich je gelesen habe. Anderseits sagte auch Augustinus, daß die meisten Menschen in die Hölle kommen.)

Und nun weiter mit Hieronymus. Unter Hieronymus Anleitung lebte in Rom als "gottgeweihte Jungfrau", nachden sie nach 7-monatiger Ehe Witwe geworden war: Blaesilla. Als sie kurz darauf mit 20 Jahren starb (364-384), beschuldigte man Hieronymus, er habe sie mit seinen Fastenempfehlungen sich zu Tode hungern lassen. Hieronymus jedoch hebt in seinem Trostbrief an Blaesillas Mutter Paula hervor: daß Blaesilla der Verlust ihrer Jungfrauschaft mehr Schmerzen verursacht habe als der Tod ihres Mannes. Anläßlich der Beerdigung von Blaesilla wurde in Rom eine starke Opposition gegen "das abscheuliche Mönchsvolk" laut. Und doch: keiner wurde von Frauen mehr geliebt als Hieronymus - auf seine mönchische Weise. Er zog mit Paula, einer reichen, verwitweten Römerin, und deren Tochter Eustochium nach Palästina, wo sie ein Frauenkloster und ein Männerkloster errichteten.

Hieronymus ist der Vater der lateinischen Bibelübersetzung Vulgata. Papst Siricius (+ 390), bezeichnete es als "Unzucht", ja "Verbrechen", wenn die Priester nach ihrer Weihe noch mit ihren Frauen verkehrten und Kinder zeugten und verbot Hieronymus, bei der Übersetzung des Satzes von Paulus: "Habe ich nicht das Recht, eine Ehefrau auf den Reisen mitzunehmen wie die übrigen Apostel und Petrus (1. Kor. 9,5)?" das lateinische Wort uxor = Ehefrau zu schreiben. Im Lateinischen gibt es ein eigenes Wort für die Ehefrau: uxor. Im deutschen ist Deine Frau, eine Frau, seine Frau, immer dasselbe Wort "Frau". Hieronymus mußte also mit "mulier" = "Frau" übersetzen. Aus den Ehefrauen der Apostel werden in der lateinischen Übersetzung schließlich dienende Schwestern. Und Papst Johannes Paul II. erhob Gründonnerstag 1978 die Apostel sogar zu "Predigern und Lehrern des Zölibats". Da die meisten katholischen Priester zu wenig Griechisch verstehen, stoßen sie nie auf ihr vom Apostel Paulus verbrieftes Recht zu heiraten.

Neben Augustinus gilt als der größte Theologe der katholischen Kirche auch heute der Dominikanermönch Thomas von Aquin (+ 1274) mit seinem Lehrer Albertus Magnus (+ 1280), dessen Grab in Köln Papst Johannes Paul II. anläßlich des 700. Todestages von Albertus Magnus 1980 besuchte. Dieser Anlaß war treffend gewählt, denn hier am Grab begegneten sich zwei Kirchenmänner, die wesentlich dazu beigetragen haben, aus der Kirche eine Männerkirche zu machen. Albert übernahm nämlich die Biologie des Aristoteles: Die Frau ist ein defektes Wesen, eigentlich will die Natur nur vollkommene Menschen, d.h. Männer hervorbringen, aber durch ungünstige Umstände wird sie daran gehindert, und es entstehen Frauen. Die Frauen sind eine Ersatzbildung infolge widriger Zufälle, wie z.B. feuchte Südwinde mit vielen Niederschlägen, durch die Menschen mit höherem Wassergehalt, eben Frauen entstehen. Die Frau ist "ein mißglückter Mann", mas occasionatus, griechisch: arren peperomenon = "ein verstümmelter Mann".

(Übrigens hat Aristoteles keinesfalls die widerlichen, frauenfeindlichen Folgerungen aus seiner falschen Biologie gezogen wie Albert und Thomas. Er war verheiratet mit Pythias und hatte mit ihr seine Tochter Pythias und seinen Sohn Nikomachos. Und als seine Frau Pythias starb, schrieb er in sein Testament, daß seine Asche zu der seiner geliebten Frau gelegt werden sollte.)

Albert hingegen folgert aus der Aristotelischen Biologie Erschreckendes: "Flüssigkeit ist leicht beweglich. Darum sind die Frauen unbeständig und neugierig. Die Frau kennt keine Treue...Darum, um es kurz zu sagen, muß man sich vor jeder Frau hüten wie vor einer giftigen Schlange und dem gehörnten Teufel. Ihr Gefühl treibt die Frau zu allem Bösen wie der Verstand den Mann zu allem Guten hinbewegt. Wenn die Frau mit einem Mann Verkehr hat, möchte sie möglichst gleichzeitig unter einem anderen Mann liegen... Kluge Männer teilen darum ihre Pläne und Taten ihren Frauen am wenigsten mit." "Durch zu viel Verkehr schrumpft das Gehirn zusammen."

Sein Schüler Thomas schreibt: "Die Frau entspricht nicht der ersten Absicht der Natur, die auf Vollkommenheit, den Mann, zielt, sondern der sekundären Absicht der Natur, wie Fäulnis, Mißbildung und Altersschwäche." Wegen ihres "Defekts der Vernunft... wie solcher auch bei Kindern und Geisteskranken offen zutage liegt", ist die Frau ja auch nicht zugelassen als Zeugin in Testamentsangelegenheiten. Und: "Der Vater ist mehr zu lieben als die Mutter, weil er das aktive Zeugungsprinzip ist". Und: "Der eheliche Akt besitzt immer etwas Schändliches und verursacht Erröten". Und: Frauen neigen mehr zur Unenthaltsamkeit als Männer. Die Frau sei zwar zum Gebären, aber nicht zum Erziehen der Kinder in der Lage. Die geistige Erziehung der Kinder könne nur durch den Vater erfolgen, wegen seiner "vollkommeneren Vernunft". Und "Die Frau selbst hat den Mann nicht nur zur Zeugung und Kindererziehung nötig, sondern auch als ihren eigenen Lehrer und Gebieter."

Thomas findet "das Widerstreben des Fleisches gegen den Geist, das sich zumal in den Zeugungsgliedern bemerkbar macht (im Orgasmus) als eine größere Strafe als Hunger und Durst." Da durch die Geschlechtslust die Erbsünde übertragen wird, heißt das nicht, daß jemand, der nichts empfindet nichts überträgt. Die Kinder der Frigiden wären ja sonst ohne Erbsünde. Thomas hat auch daran gedacht: "Wenn durch die Kraft Gottes jemandem geschenkt wird, daß er beim Zeugungsakt keine ungeordnete Lust empfindet, dann würde er trotzdem die Erbsünde auf das Kind übertragen." Er meint: Da jeder (!) eheliche Akt eine "Befleckung" des Mutterschoßes bedeutet, fand bei Maria "aus dem Grund der Reinheit und der Nichtbeschmutzung" kein Eheverkehr bei der Empfängnis Jesu statt.

Der schwerwiegendste und folgenreichste Irrtum des Thomas von Aquin war jedoch dieser: daß die Teufel im Sexualbereich eine besondere Wirksamkeit entfalten, daß sie z.B. Verzauberungsimpotenz bewirken. Durch Thomas von Aquin nahm im 13. Jahrhundert, dem "goldene Zeitalter der Theologie", der Teufelsaberglaube unvorstellbar an Stärke zu. So ausgiebig wie er hat niemand über den Geschlechtsverkehr mit dem Teufel und das Erzeugen von Teufelskindern gesprochen, indem er nämlich eine Samenvermittlungstheorie entwickelte, die lautet so: Ein und derselbe Teufel kann sich männlichen Samen besorgen, indem er in Frauengestalt (als succubus, das heißt als Untenliegender) mit einem Mann Verkehr hat und kann dann anschließend in Männergestalt (als incubus, das heißt Obenliegender) diesen Samen beim Geschlechtsverkehr an die Frau, an die Hexe, bringen. Die so erzeugten Teufelskinder zeichnen sich durch besondere Größe aus, sind also eigentlich Menschenkinder, weil es sich um menschlichen Samen handelt.

Etwa 200 Jahre nach Thomas von Aquin (+1274) wurde Deutschland dann das Land mit den meisten Hexenprozessen. Vorher gab es nur vereinzelte Hexenverbrennungen in Deutschland. Aber 1484 setzte Papst Innozenz VIII. in seiner berüchtigten "Hexenbulle" die beiden deutschen Dominikaner Jacob Sprenger und Heinrich Institoris als Inquisitoren in Deutschland ein. Diese beiden verfaßten dann 1487 den "Hexenhammer", in dem sie sich für "die verteilte Folter" einsetzten. Deutschland wurde daraufhin das Land mit den weltweit meisten Hexenprozessen. Die Zahl der Hexenprozesse nahm so ungeheuer zu, daß ca. 150 Jahre später der Jesuit Friedrich von Spee, der trotz Gefahr, selbst verbrannt zu werden, gegen die Prozesse einschritt. Er schreibt in seiner "Cautio Criminalis" = "Warnung vor den Prozessen": "daß es besonders in Deutschland allerorts von Scheiterhaufen raucht", mehr als in allen anderen Ländern der Welt, hat seinen Grund in "Jacob Sprenger und Heinrich Institoris... Ich fange an zu fürchten, nein, es ist mir schon früher oft der angstvolle Gedanke gekommen, daß jene erwähnten Inquisitoren die ganze Unzahl von Hexen mit ihren sehr ausgeklügelten und weislich verteilten Folterungen nach Deutschland hereingebracht haben." Spee spielt hier auf die grausamste Bestimmung des Hexenhammers an: nämlich auf die Einführung der "verteilten Folter". Folter zu wiederholen war ohne neue Beweise verboten. Aber man nannte das dann einfach "verteilen", d.h. immer eine Pause dazwischen, morgen ein Teil Folter, übermorgen ein Teil Folter und immer so weiter, solange, bis das Geständnis und vor allem das Nennen von Mitschuldigen da ist. Spee schreibt: Da heißt es dann: "Wir wiederholen die Folter nicht, das sei ferne von uns, daß wir so etwas tun sollten. Wir setzen sie nur an einem anderen Tag fort, solange bis die Wahrheit an den Tag kommt. Wir wissen wohl, daß die Wiederholung unzulässig ist, sie wäre gegen Gesetz und Vernunft."

Wegen dieser grausamen Methode der verteilten Folter weiß Spee nur noch einen einzigen bitteren Rat für die Hexen: "Unglückliche, was hast du gehofft? Warum hast du dich nicht gleich beim ersten Betreten des Kerkers für schuldig erklärt... warum willst du den Tod so viele Male erleiden, wo du es nur einmal zu tun brauchst. Nimm meinen Rat an, erkläre dich noch vor aller Folter für schuldig und stirb. Entrinnen wirst du nicht. Ich pflege mir darum oft zu sagen, daß wir nicht allesamt Hexen sind, hat nur den einen Grund, daß wir noch nicht mit der Folter in Berührung gekommen sind."

Die beiden Inquisitoren Institoris und Sprenger schreiben in ihrem "Hexenhammer" auch dies: "Niemand schadet dem katholischen Glauben mehr als die Hexenhebammen", weil sie Verhütungswissen weitergeben und dadurch Schwangerschaften verhindern. Der zweite Vorwurf, den sie den "Hexenhebammen" machen, ist dieser: daß sie ungetaufte Säuglinge töten. Gemeint sind vor allem die Totgeburten. "Denn der Teufel weiß, daß solche Kinder vom Eintritt in das himmlische Reich wegen der Strafe der Verdammnis oder der Erbsünde ausgeschlossen werden."

In Köln wurden von 1627-1630 die Hebammen der Stadt nahezu ausgerottet. Jede dritte der hingerichteten Frauen war eine Hebamme. Unter dem Eindruck dieser Prozesse in Köln hat Spee, der viele Hexen zum Scheiterhaufen begleitete, einige Kapitel seiner Warnung vor den Hexenprozessen geschrieben.

Und heute? Im Stadium der Total-Marianisierung unter Johannes Paul II. und Benedikt XVI.? Die größte Katastrophe ist der:

PÄDOPHILIESKANDAL

Zur Vertreibung der Frauen hat die Kirche 2000 Jahre gebraucht. Wie lange sie jetzt noch zur Züchtung des "keuschen Homosexuellen" benötigt, ist noch nicht klar. Siehe Weltkatechismus von 1992, Nr. 2357-9, das schon erwähnte dreistrophige Lied auf den "keuschen Homosexuellen". Klar ist nur dies: Solange zwangsentsexualisierte Priester mit Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern in dunklem Beichtstuhlgewisper vereint sind, wird sich der Beichtstuhl immer mehr zur Kontaktbörse für Sexualneurotiker entwickeln, wobei auch Pädophilie nicht ausgeschlossen werden kann, und sollte darum für Kinder und Jugendliche verboten werden.

Es war tatsächlich das FernSEHEN, und zwar der italienische Vatikansender Telepace, der mir erstmals die Augen öffnete, daß die Sexualfeindlichkeit der Kirche dramatische Auswirkungen hat, daß sie zu widerwärtigen sexuellen Verirrungen führt. Die Verbrechen, die von zwangsentsexualisierten Priestern an Kindern und Jugendlichen geschahen und noch geschehen, dies unaussprechliche Leid der wehrlosen Betroffenen schreit zum Himmel: 2002 also SAH ich, wie Papst Johannes Paul II. Krokodilstränen über die Pädophiliefälle vergoß und Kardinal Bernard Francis Law von Boston reuig vor ihm kniete und sein Amt dem Papst zurückgab, weil er durch ständiges Versetzen der Priester und durch Verheimlichung vor den staatlichen Behörden großen Schaden angerichtet hatte. Ich hatte Reueszenen schon öfter gesehen. Aber diesmal war in Großaufnahme auf dem Gesicht des Papstes etwas anderes zu sehen, und ich war schockiert: Das war der Blick eines Komplizen. Er sah den Kardinal Law an wie einen, der ihn nicht verraten hatte. Da war eine Entente cordiale zwischen den beiden, ein herzliches Einverständnis. Kardinal Law bekam dann auch sofort ein hohes Amt im Vatikan. Ich sah, Kardinal Law hatte den Papst nicht verraten, er hatte nach seinem Willen die Vertuschung der Pädophiliefälle betrieben.

Pädophilie ist die Gefahr einer monosexuellen Kirche, der in 2000 Jahren zwar die Vertreibung der Frauen, aber noch nicht die Entsexualisierung geglückt ist. Kardinal Ratzingers verhängnisvollste Tat war, daß er einen von zwei Pädophilie-Erlassen verfaßte. Der erste stammt von Kardinal Ottaviani 1962 und heißt: "Crimen Sollicitationis" (Verführung zu sexuellen Handlungen). Der zweite stammt von Ratzinger 2001 und heißt: "De Delictis gravioribus" (Über schwerer wiegende Verbrechen). Das erfuhr ich erst 2006 durch den erschütternden BBC-Film "Sex Crimes and Vatican" von Colm O´Gorman, der als 14-Jähriger in Irland von einem Priester vergewaltigt wurde. Beide interne Schreiben betonen - mit vollster Zustimmung von Papst Johannes Paul II. - "die gerichtliche Alleinzuständigkeit der Glaubenskongregation als eines apostolischen Gerichtshofes" in Pädophiliefällen von Klerikern. Gleichzeitig werden alle Bischöfe unter Strafe der Exkommunikation aufgefordert, alle Missbrauchsfälle AUSSCHLIESSLICH(!) an den Vatikan zu melden, was eine totale Justizbehinderung für die staatlichen Gerichte zur Folge hat und zu einer ständigen Versetzung der pädophilen Priester und Ordensleute führt, die nach einer "Therapie" ihr Unwesen Jahrzehnte weitertreiben. Über die Opfer verlieren diese Erlasse kein einziges helfendes Wort. Diese beiden Erlasse, da nicht für die Schafe, sondern nur für die Hirten bestimmt und die jeder Bischof in seinem Tresor liegen hat, sind in lateinischer Sprache verfaßt, was aber heute sogar Frauen übersetzen können, und dies in der katholischen Kirche, in der alle Hirten Männer und alle Frauen Schafe sind und stehen inzwischen sogar im Internet. Der Film "Sex Crimes and Vatican" darf in Deutschland dank Bischöfen nicht gezeigt werden, er ist jedoch auf youtube zu sehen.

Am 18. Juni 2013 sah ich in Arte "Benedikts Via Dolorosa" (Benedikts Schmerzensweg). Dort sagte ein Sprecher: "In De Delictis gravioribus hat sich Papst Benedikt für die Mitteilung von Pädophiliefällen an die staatlichen Behörden ausgesprochen." Am 5. Juli 2013 wurde dieser Film mit dieser Lüge in Arte wiederholt.

INQUISITION UND FOLTER

Kurze Zeit nachdem Kardinal Ratzinger 1981 Chef der "Glaubenskongregation", früher "Inquisition" genannt, geworden war, hörte ich lobende Äußerungen über die Inquisition. Inquisition sei "Fortschritt einer geordneten Rechtsfindung". Es waren führende amerikanische Theologen im größten katholischen Fernsehsender EWTN, die das behaupteten. Erst zufällig vor einigen Wochen fand ich das Lob der Inquisition (einschließlich Folter) auch schwarz auf weiß auf deutsch und zwar im katholischen Standardwerk "Lexikon für Theologie und Kirche".

Während in der 2. Auflage 1960 im Artikel "Inquisition" die Folter als "grauenvoll" total abgelehnt wird, ist das, nachdem 1981 Kardinal Ratzinger Chef der Inquisition wurde, in der 3. Auflage 1996, Band V, S. 528 ganz anders. Da heißt es: Folter ist "ungeachtet späterer Mißbräuche ein Fortschritt der Rechtsfindung". Sie darf "nur einmal, allerdings mit Unterbrechung und Fortsetzung, angewendet" werden. Folter ist ein "Mittel der Wahrheitsfindung". Ferner: "Daß im Falle hartnäckigen Leugnens... die Übergabe zur Verbrennung an den weltlichen Arm erfolgte, weil die Kirche keine Blutsgerichtsbarkeit ausüben durfte". Ferner: daß "der dabei ausgesprochenen Bitte um Schonung des Lebens aber kaum(!) zu entsprechen war", denn diejenigen, die diese Vollstreckung nicht zuließen, wurden selbst als Ketzer verbrannt.

Abschließend 4 Themen, die unter Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. verschärft bzw. völlig verändert wurden, nämlich: Jungfräulichkeit, Verhütung, Abtreibung, Empfängnis.

JUNGFRÄULICHKEIT

sie ist das Neue, das das Christentum gebracht hat. "Maria ist die erste Person, in der sich dieses neue Bewußtsein offenbart hat", so Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben: "Die Würde der Frau", 1988 Nr. 20).

VERHÜTUNG

Als Johannes Paul II. noch Erzbischof von Krakau war, hat er seinem Vorgänger im Papstamt, Paul VI., die Enzyklika Humanae vitae (Pillenenzyklika) eingeflüstert: Verhütung und Abtreibung sind in gleichem Maße zu verdammen (pariter damnandum). Seit JPII wird Verhütung meistens garnicht mehr erwähnt, sondern ist in dem Wort "Abtreibung" IMMER mitgemeint.

1869 wurde nämlich das katholische Kirchenrecht geändert. Bis 1869 unterschied es zwischen dem unbeseelten und dem beseelten Fötus. Vor dem 80. Tag der Schwangerschaft galt der Fötus als Körperteil der Mutter (pars viscerum), und bei Abtreibung wurde nicht exkommuniziert. Aber wegen der Jungfau Maria, der es unangemessen sei, nicht vom ersten Augenblick an eine vernunftbegabte Seele gehabt zu haben, wurde eine neue Biologie eingeführt: Das Sperma, sobald es eine Frau erreicht hat, enthält schon eine intelligente Seele, selbst wenn es z.B. durch ein Kondom blockiert wird. Deswegen gilt in der katholischen Kirche: Gummi ist Mord.

Ich behaupte: Auch den Zölibat muß man dann als Abtreibung bezeichnen. Denn auch der Zölibatär bringt seinen Samen nicht in die richtige Position. Ich folge damit den beiden jüdischen Gelehrten zur Zeit Jesu, Rabbi Eliezer und Rabbi Eleasar Ben Asarja: "Wer sich nicht mit Fortpflanzung befaßt, ist ein Mörder."

In der Enzyklika von JPII. Evangelium Vitae von 1995, Nr.13 heißt es: Verhütung sei NIEMALS erlaubt. Am 7. August 2004 sah ich in BBC World eine junge Afrikanerin verzweifelt weinen. Sie hatte gerade erfahren, daß sie sich bei ihrem AIDS-kranken Mann infiziert hatte. "Ich habe solche Angst vor dem ewigen Höllenfeuer, vor dem unser Pfarrer uns gewarnt hat, wenn ein Kondom benutzt wird." Der Reporter fragte den Pfarrer, ob er die Ehefrauen vor dem ewigen Höllenfeuer bei Kondomgebrauch gewarnt habe? Und der sagte: "Ja, auch bei Ansteckung und Todesgefahr sind Kondome nicht erlaubt. Ehefrauen, die sich bei ihrem AIDS-kranken Ehemann angesteckt haben, das sind die Martyrerinnen für den Glauben unseres Jahrtausends."

Kondome sind nur "für männliche Prostituierte" erlaubt, verkündet Papst Benedikt 2010 in seinem Buch "Licht der Welt" S. 146. Als ich das hörte, bin ich fast zusammengekracht: Papst Benedikt hat aus der Frohbotschaft für alle eine Frohbotschaft für Bordelle gemacht. Machte der Papst sich Sorge und sah seinen monosexuellen Vatikan bedroht von aidsinfizierten männlichen Prostituierten?

ABTREIBUNG

Seit Oktober 2012, dem Tod einer hochschwangeren 31-jährigen Inderin, die in einem irischen Krankenhaus starb, nachdem die Ärzte sich geweigert hatten, eine Abtreibung ihres absterbenden Fötus vorzunehmen, tobt in Irland und weltweit ein Kampf um die Bestimmung Johannes Paul II., daß eine Abtreibung NIEMALS stattfinden darf, auch dann nicht, wenn sonst Mutter UND Kind sterben und durch Abtreibung wenigstens das Leben der Mutter gerettet werden kann. In der Enzyklika von JPII. Evangelium Vitae 1995 Nr. 58 heißt es: "NIEMALS jedoch können Gründe, mögen sie noch so ernst und dramatisch sein, die vorsätzliche Vernichtung eines unschuldigen Menschen rechtfertigen."

Im März 2009 hatte in Brasilien ein 9-jähriges Kind, 1,30 m. klein, 36 Kilo leicht "Bauchweh". Die Mutter bringt es zum Arzt: Der Arzt sagt: "das Kind ist in der 15. Woche mit Zwillingen schwanger" (vergewaltigt vom 23-jährigen Stiefvater). Der Arzt sagt: "das Kind hat keine Brust, die inneren Organe sind noch nicht entwickelt, eine Zwillingsgeburt bei dem engen Becken wäre der Tod des Kindes." Die Ärzte treiben die Kinder vom Kind ab am 4. März 2009. Erzbischof von Olinda und Recife, Jose Cardoso Sobrinho, der die Fortsetzung der Schwangerschaft gefordert hatte, exkommuniziert die Mutter und die Ärzte "wegen Verbrechens." Alle Welt ist empört.

EMPFÄNGNIS

Hier kam Papst Benedikt zu einem völlig neuen Ergebnis, das einer Eingewöhnung bedarf: Der OHRSEX. Er schreibt in seinem Buch über die Kindheit Jesu S. 46: Maria habe ihren Sohn durch ihr Ohr empfangen, durch ihre Worte zu dem Engel: "Mir geschehe nach deinem Wort." Durch ihren Gehorsam also sei sie Mutter geworden. Die Gynäkologen können jetzt ihre Praxis schließen und werden durch Hals-Nasen-Ohrenärzte ersetzt. Der Ohrsex als Durchbruch in der Sexualforschung in der neuen Vatikanstudie des Buches von Joseph Ratzinger/ Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, 2012, Auflage 1 Million.

Abschließend noch ein Satz: Langsam aber unaufhaltsam belegen auch Frauen die Leitungs- und Spitzenpositionen, da nicht mehr Körperkraft, sondern der Verstand entscheidet, aber dieser Prozeß wird in der katholischen Kirche kaum erfolgen, denn sie hält päpstliche Entscheidungen für unfehlbare Entscheidungen, darum bleibt es bei: "Vatikan und nicht Muttikan."




Counter