03.06.2006
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War Jesus verheiratet ?
Der Streit um den "Sakrileg"-Film
Sendung vom 17. Mai 2006

Antichristlich, beleidigend, verleumderisch - das Urteil katholischer Kirchenfürsten über Hollywoods neuesten Streifen "The da Vinci Code - Sakrileg" ist vernichtend. Boykottaufrufe begleiten die Weltpremiere des Films diese Woche. Schon die Buchvorlage des amerikanischen Autors Dan Brown hatte empörte Reaktionen aus Kirchenkreisen provoziert. Der Thriller, der mit über 50 Millionen verkaufter Buchexemplare zu den erfolgreichsten Bestsellern aller Zeiten zählt, behauptet, Christus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und hätte sogar eine Tochter mit ihr gehabt. Die Bibel und damit die Grundlage der christlichen Religion würde also auf falschen Annahmen beruhen. Dem Vatikan wird bewusste Geschichtsfälschung bis hin zum Auftragsmord unterstellt, um die Macht der Männer über die Frauen zu zementieren.

Viele Gläubige sind empört und fragen sich, ob die Unterhaltungsindustrie heutzutage keine Tabus mehr kennt. Der Kirchenkrimi kann sich allerdings keine bessere Werbung zum Filmstart wünschen.

  • Kann ein Film das Christentum in seinen Grundfesten erschüttern?
  • Müssen sich Christen gegen solche Angriffe auf ihren Glauben vehementer wehren?
  • Darf Kirchengeschichte trotz neuer Erkenntnisse nicht umgeschrieben werden?
Querzitiert
Die Highlights aus der Sendung vom 17. Mai 2006
Heiner Geißler, Jesuitenzögling und Buchautor
Heiner Geißler

"Was das Verhältnis mit den Frauen anbelangt: Wir haben auf der Erde, und das ist der entscheidende Punkt, (…) diese Diskriminierung, auch die theologische Diskriminierung hat Auswirkungen gehabt für Millionen, für hunderte Millionen von Frauen. Hexenverbrennungen haben wir längst hinter uns. Aber dass heute die Frauen, der Bevölkerungsteil - es sind auf der Erde über drei Milliarden -, der am meisten diskriminiert und entrechtet wird, (…) ist mit eine Folge eines theologischen Missverständnisses des Menschen. (…)

Die großen Weltreligionen haben ein gerüttelt Maß an Schuld an dieser Diskriminierung der Frauen, weil die Frauen innerhalb dieser Religionen, innerhalb der Theologie in einen Status zweiter Klasse gedrängt worden sind. (…) Warum dürfen denn Frauen nicht Priester werden? (…) Jetzt geben Sie mal eine Antwort auf diese Frage. Dafür gibt es, für das Ordinationsverbot, keine Grundlage in den Evangelien."
Bruder Paulus Terwitte, Kapuzinermönch und TV-Pfarrer
Bruder Paulus Terwitte

"Ich bin seit drei Monaten dafür zuständig, jungen Männern zu sagen: `Könnte Gott dich nicht berührt haben, Kapuziner zu werden?΄ Ich werde auch Frauen begegnen. Auch die werde ich Fragen: `Könnte Gott dich nicht berührt haben, dein Leben als Ehelose Christus zur Verfügung zu stellen, der heute lebt?΄ Und ich werde auch Frauen begegnen und Männern, die vielleicht spüren, indem ich sie frage, `Gott hat uns zur Ehe berufen.΄

(…) Ich werde auch dafür sorgen in Gemeinden zu sagen: Wenn vier Busse einer Mainzer Gemeinde - mit Menschen, die gebetet haben - eine Frau zum Bischof von Mainz fährt und sagt: `Wir haben gebetet, Christus hat sie erwählt, Priesterin zu werden΄ - ich sage Ihnen, er wird sich nicht dagegen wehren können."
Prof. Uta Ranke-Heinemann, Theologin und Kirchenkritikerin
Uta Ranke-Heinemann

"Wenn ich mir das jetzt anhöre, das Christentum als Befreiung der Frau, da kann ich mir nur die Haare einzeln raufen! (…) Im Neuen Testament wird schon gewarnt: `Hütet euch vor den Lügenpredigern, die verbieten zu heiraten.΄ Und dann steht da: `Das sind Altweibermärchen.΄ Wenn ich mir die Geschichte angucke, würde ich sagen, es sind wohl mehr Altmännermärchen. Und dann die Evangelien, die Apokryphen, die dauernd im Sand in Ägypten gefunden werden, weil es da so trocken ist: Philipperevangelium, Thomasevangelium, alles aus dem ersten und zweiten Jahrhundert - da sieht man ganz deutlich die Rivalität zwischen Petrus und Maria Magdalena.

`Hat er sie uns gegenüber bevorzugt?΄ sagt Petrus. Und Levi verteidigt sie im Evangelium der Maria Magdalena: `Er hat sie mehr als uns geliebt!΄ (…) Im achten Kapitel steht: `Jesus folgten viele Frauen, darunter Maria Magdalena, die ihn mit ihrem Vermögen unterstützte.΄ Das war also eine reiche Lady. (…) Aber eine Frau, die den ganzen Verein sponsert, die hat auch was zu sagen. Und so war das auch."
Matthias Matussek, Kulturchef des "Spiegel"
Matthias Matussek

"Jeder Kaninchenzüchterverein hat seine Regeln. (…) Ich kann doch nicht in ein Vegetarierrestaurant gehen und sagen: Ich will Schweinshaxe und zwar sofort, und wenn ihr mir das nicht gebt, seid ihr ein repressiver Verein. Nee! Da kriegt man Vegetariertum! Der Katholizismus ist eine gewachsene, sehr traditionsreiche Geschichte. Und da ist Priesterin zunächst nicht vorgesehen. Es ist aber auch nicht relevant.

Auf der anderen Seite wundert es mich auch immer, dass kirchenferne Personen wie Frau Ranke-Heinemann (…), dass von denen immer diese Kritik ausgeht, die mit dem ganzen Verein nichts zu tun haben. Hört einfach den Leuten zu, die in dem Verein drin sind.""Jeder Verein, jeder Club in Deutschland hat seine Regeln, aber sobald es zur katholischen Kirche kommt, latscht jeder durch den Garten und sagt: `Ihr müsst das so machen, ihr müsst das so machen, ihr braucht Priesterinnen, Zölibat abschaffen.΄ Und dann gehen sie wieder zurück vor den Fernseher und zappen sich durch die Pornoserien und haben mit der Sache nichts zu tun."
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Sendung am: 17.05.2006, 20.15 Uhr
Letzte Änderung am: 18.05.2006
Zu Gast am 17. Mai 2006

Heiner Geißler (Quelle: SWR)
Heiner Geißler
Jesuitenzögling und Buchautor


Uta Ranke-Heinemann  (Quelle: SWR)
Prof. Uta Ranke-Heinemann
Theologin und Kirchenkritikerin


Bruder Paulus Terwitte (Quelle: SWR)
Bruder Paulus Terwitte
Kapuzinermönch und TV-Pfarrer


Mathias Matussek (Quelle: SWR)
Matthias Matussek
Kulturchef des "Spiegel"

 
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