Konca Kuris

1960 - 1998

islamische Feministin


Konca Kuris, Mutter von fünf Kindern, betrieb zusammen mit ihrem Mann ein Konfektionsgeschäft. Im Selbststudium beschäftigte sie sich mit Theologie und versuchte, die Auffassungen des Islam über die Rechte der Frauen zu ergründen. Sie studierte den Koran und bestritt einige der zahlreichen, außerhalb der Heiligen Schrift überlieferten Taten und Worte des Propheten. "Das kann mein Prophet nicht gesagt haben und wenn er es gesagt hat, so kann er nicht mein Prophet sein", so und ähnlich argumentierte sie. Obwohl Konca Kuris selbst ein Kopftuch trug, bestritt sie die Forderung des Koran, wonach Frauen ihren Kopf zu bedecken hätten. Sie wehrte sich auch gegen einige Bräuche, die sie vor allem als Zeichen für die Demütigung der Frauen begriff. Sie stritt besonders für das Recht der Frauen, beim Totengebet zusammen mit den Männern vorn am Sarg stehen zu dürfen. "Wir haben den gleichen Schmerz", sagte sie.

Die Medien begannen die Einzelkämpferin als Sensation zu entdecken. Konca Kuris merkte dies wohl, nahm es aber in Kauf, um mit ihrem Interviews mehr für die Frauen erreichen zu können, obwohl sich die Drohungen gegen sie häuften.

Nachdem die 38-jährige islamische Feministin am 16. Juli 1998 von der Hizbollah entführt worden war, widerstand sie 35 Tage lang Folter und Gefangenschaft, dann "lobte" sie während einer Video-Aufzeichnung die Hizbollah. Sie hatte keine andere Möglichkeit, aber auch das Video verhieß keine Rettung. Man verstopfte ihr Nase und Mund, so dass sie erstickte.

Als während der Beerdigung das Totengebet für Konca Kuris gesprochen werden sollte, verhinderte ihr Schwiegervater, dass sich einige Frauen - darunter ihre Tochter - auch neben den Sarg stellen konnten, der Imam und die Polizei halfen ihm dabei. Nur Koncas Tante Necla Ölcer ließ sich nicht abdrängen.




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