Philomena Franz

* 21. Juli 1922


Philomena Franz

Philomena Franz entstammt einer Sinti-Familie, die seit Jahrhunderten in Deutschland lebt. 1943 wird sie verhaftet und in die Vernichtungslager Auschwitz und Ravensbrück deportiert. Sie hat Haß, Demütigungen, Qualen und Ängste erlebt. Seit 1975 engagiert sie sich für Versöhnung und gegen Rassismus. Nicht Hass, Rache und Verbitterung sind ihre Antworten auf die entsetzliche Vergangenheit, sondern Verzeihung, Toleranz und Liebe.


Philomena wird am 21. Juli 1922 in Biberach am Riss in eine Sinti-Familie geboren. Sie wächst in Stuttgart mit zehn Geschwistern in einer renommierten Musikerfamilie mit vielen Auftritten im In- und Ausland auf. Ihr Großvater ist ein berühmter Cellist und wurde um die Jahrhundertwende von Kaiser Wilhelm für seine Verdienste ausgezeichnet. Philomena steht schon als kleines Kind auf der Bühne, singt und tanzt als Solotänzerin mit großem Erfolg in der Kapelle ihres Großvaters.

1936 beginnt die rassische Verfolgung der Sinti und Roma. Als die Familie im August 1939 von einem Auftritt im Pariser Lido wieder nach Deutschland einreisen will, wird sie an der Grenze von der Gestapo angehalten. Ihnen werden die Papiere abgenommen, alle Instrumente sowie Geld, Schmuck und Uhren. Am nächsten Tag wird ihnen auf der Gestapo gesagt, dass sie sich nicht mehr mit "Deutschblütigen" einlassen dürften, dass darauf die Todesstrafe stünde. Außerdem wird ihnen verboten, ihren Wohnort zu verlassen und sie bekommen Berufsverbot. Philomena wird zur Zwangsarbeit in einer Rüstungsfirma verpflichtet, wo sie bis zu ihrer Verhaftung durch die Gestapo am 27. März 1943 arbeiten muss.

Philomena wird nach Auschwitz deportiert. Als sie erfährt, dass ihre Schwester Luise in Ravensbrück inhaftiert ist, kann sie durch eine Verwandte, die in der Schreibstube arbeitet, erreichen, dass sie Ende Mai 1943 auf einen Transport nach Ravensbrück kommt. Dort kommt sie in Block 20 und muss zusammen mit ihrer Schwester und zwei Cousinen bei Siemens Rüstungsgüter herstellen. Nach etwa einem Jahr kommen alle Vier auf Transport in das Außenlager Schlieben in Thüringen, wo sie in Nachtschicht Bomben herstellen müssen. Philomena gelingt von dort die Flucht, doch nach acht Tagen wird sie wieder eingefangen. Zur Strafe wird Philomena an den auf dem Rücken gefesselten Händen an den Galgen gehängt so wie ihre Schwester und ihre beiden Cousinen auch. Sie überlebt und wird nach Oranienburg transportiert, wo sie von der Gestapo verhört und geschlagen wird. Sie kommt für einige Wochen in die Dunkelzelle. Philomena bekommt heimlich von einem jüdischen Arzt kleine Päckchen mit Essen zugesteckt. Während dieser Zeit hat sie einen entscheidenden Traum, der sie in dem Glauben bestärkt, dass sie überleben wird.

Danach kommt Philomena erneut auf Transport nach Auschwitz. Auf dem Waggon steht mit weißer Kreide "Krankentransport" geschrieben das Todesurteil für die Häftlinge. Sie trifft auf dem Transport auf ihre Patentante, die noch während der Fahrt in ihren Armen stirbt. Kurz vor dem Eingang zur Gaskammer kommt ein SS-Mann auf sie zu, der sie abkommandiert sie muss vor dem Krematorium die Asche der Ermordeten auf Loren schaufeln. Nach etwa drei Wochen kommt der Lagerführer und schickt sie auf einen Transport nach Wittenberg an der Elbe. Dort muss sie in einer Flugzeugfabrik Zwangsarbeit leisten.

Kurz vor Kriegsende sie hört schon die Schüsse von der Front gelingt ihr erneut die Flucht. Sie wird von einem älteren Mann vom Volkssturm aufgegriffen, der sie mit zu sich nach Hause nimmt und sie bis zur Befreiung Ende April 1945 durch die Rote Armee versteckt hält. Von ihrer zwölfköpfigen Familie haben nur Philomena und ein Bruder überlebt.

Nach dem Krieg heiratet Philomena und wird Mutter von fünf Kindern. Sie schreibt Zigeunermärchen und Gedichte, hält Vorlesungen an Universitäten, in Schulen und Volkshochschulen.1995 wird ihr für ihre Verdienste das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. 2001 wird sie von der Europäischen Bewegung Deutschland mit dem Preis "Frauen Europas Deutschland 2001" ausgezeichnet.

Aus einem Interview mit Ebba Rohweder, 15. März 2004
Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung, Berlin "Ravensbrück - Überlebende erzählen"

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