Ruth Berlau

24.08.1904 - 16.01.1974


Die Dänin war Schriftstellerin, Regisseurin, Fotografin, Schauspielerin - und Geliebte von Bertolt Brecht.

Ruth Berlau wird am 24. August 1906 in Kopenhagen geboren. Die temperamentvolle Tochter eines Kaufmanns erlebt eine unbeschwerte Kindheit. Bereits mit 13 Jahren verlässt sie die Klosterschule. In späteren Jahren bedauert sie dies wegen ihrer, wie sie sagt, grenzenlosen Unwissenheit. Mit 20 Jahren heiratet sie den 40jährigen Arzt Robert Lund. Dieser lässt Ruth ihre Freiheit und reagiert gelassen auf ihre verrückten Ideen. So radelt Ruth 1930 von Kopenhagen nach Paris. Über ihre Erlebnisse auf dieser Fahrradtour soll sie für eine Zeitung berichten. Doch es gibt keine aussergewöhnlichen Ereignisse über die Ruth hätte schreiben können. So denkt sie sich einen Erlebnisbericht aus, schreibt ihn so spannend, dass "Politiken" auf sie aufmerksam wird. In dessen Auftrag reist sie nach Moskau, um über Missstände in der Sowjetunion zu schreiben. Doch es kommt anders. Ruth ist beeindruckt vom Sozialismus und kehrt nach drei Monaten als Kommunistin nach Kopenhagen zurück.
Hier erfüllt sie sich einen Kindheitstraum und wird Schauspielschülerin am Königlichen Theater.

Im Sommer 1933 begegnet sie erstmals Bertolt Brecht und verliebt sich in den "kleinen Mann" mit den "vielsagenden Augen". Brecht war mit seiner Frau, Helene Weigel, aus Deutschland nach Dänemark geflohen. Zwei Jahre später ist Ruth seine Geliebte. 1936 lässt sie sich von Robert Lund scheiden. Von nun an ist sie voll integriert in Brechts Stab von Bertold Brecht mit Ruth BerlauMitarbeiterinnen. Sie gerät in emotionale und finanzielle Abhängigkeit zu Brecht. Ruth organisiert den Alltag, fotografiert und schreibt und inszeniert Dramen. Gemeinsam mit Brecht veröffentlicht sie die damals als pronografisch geltenden Erzählungen "Jedes Tier kann es". Als 1940 Dänemark von den Nazis besetzt wird, flieht der Brecht-Clan über Schweden, Finnland und die UdSSR nach USA. Hier kommt es 1944 zu einem Bruch in der Beziehung zu Brecht. In einem New Yorker Krankenhaus bringt Ruth ihr einziges Kind zur Welt. Das Kind wird zu früh geboren und überlebt nur wenige Tage. Brecht, der Kindsvater, wollte diese Schwangerschaft geheimhalten. Ruth wird ihm dies nie verzeihen.

Nach dem Krieg kehrt Brecht mit Familie und Mitarbeiterinnen nach Deutschland zurück und arbeitet in Ost-Berlin. Ruth und Brecht verstehen sich nicht mehr. Auch Freunde und Bekannte wenden sich von ihr ab und nach Brechts Tod 1956 erhält sie sogar Hausverbot in seinem Theater, dem "Berliner Ensemble".

Ruth Berlau verbringt einsame Jahre und stirbt am 16. Januar 1974 im Berliner Krankenhaus Charité.

Zum Weiterlesen:
Hans Bunge: Brechts Lai-tu. Erinnerungen und Notate von Ruth Berlau


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